Warum wir


Seit etwa 25 Jahren ist meine Frau an der Parkinsonschen Krankheit erkrankt. Insbesondere mein wachsendes Schlafdefizit, resultierend aus einem anstrengenden Berufsleben und der nächtlichen Pflege meiner Frau, erwies sich über die Jahre als auszehrend und wurde für mich zunehmend psychisch und physisch belastend.


Ab 2005 konnten meine Kinder und ich meine Frau nicht mehr alleine im Haus lassen. Es musste Tag und Nacht immer jemand da sein. Wir machten unsere ersten Erfahrungen mit polnischen Pflegekräften, die rund um die Uhr anwesend waren.

Dabei fiel mir auf, dass einige von ihnen einen spürbar positiven Einfluss auf meine Frau zu haben schienen. Bei anderen Betreuerinnen bemerkte ich, dass die Stimmungslage meiner Frau immer wieder bedrückt war. Interessiert beobachtete ich was zwischen den Betreuerinnen und meiner Frau ablief.

Als mir klar wurde, dass bei den „guten Pflegekräften“ meine Frau im Mittelpunkt stand (und nicht die persönliche Freizeit, die Telefonate nach Polen, eine saubere Wohnung, oder das Essen und seine Zubereitung . . .). Ab da begann ich erstmals unsere wechselnden Betreuerinnen bewusster auszuwählen und nicht die erstbeste zu nehmen, die gerade Zeit hatte.


Ein Schlüsselerlebnis mit einer Betreuerin führte dann dazu, eine eigene Agentur zu gründen: eine andere Vermittlungsagentur vermittelte mir eine polnische Betreuerin. Diese fing ihre Arbeit gar nicht erst an, sondern versuchte 700 EUR „Taschengeld“ zusätzlich von mir zu bekommen, weil sie von ihrer Firma angeblich so schlecht für ihre Arbeit bezahlt wird. Dabei sollte ich an die Firma bereits 1.500 EUR im Monat zahlen). Am folgenden Tag brachte ich die Frau zum nächsten Busbahnhof. Die für meine Verhältnisse hohe, im Voraus bezahlte Jahresvermittlungs-Gebühr an die Agentur war damit auch weg, denn eine andere Betreuerin von dieser Agentur wollte ich nicht mehr haben.


Nach diesem Erlebnis beschloss ich, die „Versorgung“ meiner Frau mit Betreuerinnen komplett selbst in die Hand zu nehmen. Denn schlechter würde ich es selber auch kaum machen können. Das war 2008.

Ich baute mir mit Hilfe meiner Mitarbeiterinnen, Frau Regina Jass und Frau Magdalena Ritter, beide Polinnen mit sehr guten Deutschkenntnissen, einen Pool von Betreuerinnen auf und hatte irgendwann Betreuerinnen, die arbeiten wollten als die Stelle bei einer Frau bereits von einer Kollegin besetzt war. Diese vermittelten wir dann an andere Familien.

In der Anfangsphase lebten wir immer in der Angst, Betreuungslücken nicht schließen zu können. Das heißt, nicht schnell und rechtzeitig genug Ersatz-Betreuerinnen zu finden, wenn die ursprüngliche Betreuerin ihre Arbeit beendet oder aus irgendwelchen Gründen ausfällt. Das Problem ist gottseidank nie aufgetreten. Engpässe mit Betreuerinnen haben wir immer nur jeweils um die Weihnachtszeit erlebt.

Wenn Sie nicht gerade wohlhabend sind und die Alten- oder Krankenpflege für einen Angehörigen über eine längere Zeit finanzieren müssen, werden Sie wahrscheinlich das Gefühl haben, vor dem finanziellen Ruin zu stehen und dass Ihnen in dieser Situation niemand hilft.

Die Unterbringung des Angehörigen in einem Heim kostet in etwa das Gleiche, eventuell sogar auch mehr als Sie für eine osteuropäische Betreuerin bezahlen. Und vielleicht ist, abgesehen vom Geld, „daheim statt im Heim“ mit einer Betreuerin für alle Beteiligten die angenehmere Alternative.